Heute an Halloween geht es um das Thema Perfektionismus!
REINGEFUXT

Der Vampir in deinem Hirn und wie du ihn in 5 Schritten loswirst.

Seit Wochen versuchst du, dieses eine #Herzensprojekt voranzubringen. Den Blogartikel zu schreiben. Das Bild zu malen. Den Podcast aufzunehmen. Doch du schaffst es nicht. Jemand oder etwas hält dich davon ab. Es fühlt sich an, als ob man dir die Energie aus den Zellen saugt und du sitzt einfach nur da und bist leer und gelähmt.

Herzlich willkommen im Camp der dysfunktionalen Perfektionisten. Das war die schlechte Nachricht.

Hier kommt die Gute: Zu Halloween 2018 geht eine Räumungsklage an alle Vampire raus, die es sich in unseren Köpfen so gemütlich gemacht haben. Für die Einzelheiten, bitte dranbleiben.

Vor einiger Zeit habe ich auf meinem Instagram Account bereits angekündigt, dass ich mich in das Thema Perfektionismus reingefuxt habe und ich genau diesen jenen Blogbeitrag, welchen du gerade liest, vorbereite.

Und wenn wir schon über Vampire reden, gibt es doch kein besseres Veröffentlichungsdatum als die Halloween-Nacht, oder? Außerdem war es auch eine schöne Ausrede, den Artikel eben „nicht jetzt sofort“ zu posten, aber „ganz sicher später“, wenn dann „dieser oder jener Umstand” eingetreten ist.

Genau. Nachtigall, ick hör dir trapsen. 😉 

Jetzt will ich dich aber nicht länger auf die Folter spannen und wir steigen einfach mal semi-gruselig ins Thema ein:

 

Der Vampir unter den Persönlichkeitseigenschaften

 

Still und heimlich schleicht er sich durch den Schatten in dein Leben. Wahrscheinlich warst du noch sehr jung, als dieser treue Weggefährte in deinem Kopf Einzug hielt. Psychologen gehen davon aus, dass dysfunktionaler Perfektionismus seine Wurzeln häufig im Elternhaus hat und – wie gemein! – in den Genen. Doch bevor du jetzt entmutigt aufgibst ob der leise aufkeimenden Ohnmacht, schenk mir noch ein paar Zeilen lang deine Aufmerksamkeit. Denn zu jedem Vampir gibt es auch das passende Knollengewächs. Versprochen!

 

Know your Enemy! Was ist Perfektionismus überhaupt?

 

Wenn du (wie ich) von Perfektionismus betroffen bist, muss ich dir eigentlich nicht erklären, worum es dabei geht. Wieso also dennoch dieser Absatz? Ganz einfach: Nur indem du deine persönlichen Erfahrungen mit Wissen um die Struktur dieses nervigen Kollegen vereinst, kannst du ihn wirksam bekämpfen. Also schnapp dir eine schöne Tasse Tee und ich leg einfach los.

Perfektionismus wird in zwei wissenschaftliche Konzepte unterteilt: Den funktionalen Perfektionismus (auch Gewissenhaftigkeit genannt und eine rundum gute Sache) und den dysfunktionalen Perfektionismus (den kein Mensch braucht, aber viele haben).

Dysfuktionaler Perfektionismus (um den es uns hier geht) lässt sich wiederum in zwei Dimensionen aufgliedern:

1. Das perfektionistische Streben nach Vollkommenheit und

2. Die perfektionistische Besorgnis, die zu einem extremen Fehlervermeidungsverhalten führt.

So. Hier nimmt das Ganze doch schon etwas Fahrt auf. Ich zumindest kann beide Dimensionen in meinem eigenen Leben (zu Hauf!) wiederfinden.

 

Was deine Eltern dafür können und wieso du sie dennoch anrufen solltest

 

Eines schon einmal direkt vorweg: Deine Eltern können nichts für ihre Gene, so wie du nichts für deine Gene kannst. Das ist doof, aber wahr.

Doof ist auch, dass das Persönlichkeitsmerkmal, welches am engsten mit dem Auftreten von dysfunktionalem Perfektionismus zusammenhängt, zu rund 50% genetisch bedingt ist. Dein Hang zu ängstlichen Gedanken und Verhaltensimpulsen ist also leider Gottes häufig auch ein Produkt deiner Gene. Selbstverständlich spielen da auch andere Faktoren eine Rolle, aber es lässt sich einfach nicht wegdiskutieren. Fakt ist auch, dass diese als “Neurotizismus” bezeichneten ängstlichen Tendenzen eine Große Rolle in unserem Drama spielen. Die Angst vorm Versagen ist da noch das kleinere Übel. Richtig lustig wird es, wenn dir die eigene Angst vorm Erfolg bewusst wird.

Wo man deinen Eltern tatsächlich einen Vorwurf machen könnte, sind die anderen 50%, die zur Entstehung von Perfektionismus führen können: Ein hoher Leistungsdruck im Elternhaus gepaart mit wenig lobendem und emotionalem Feedback sind der beste Nährboden für ausgewachsene Perfektionisten, wie wir welche sind. Es ist also definitiv hilfreich, wenn du da mal genauer für dich hinsiehst.

Gab es in deiner Familie Ärger, wenn den Schulnoten nicht stimmten? Musstest du gegen deinen Willen ein Instrument lernen oder zum Ballettunterricht gehen? Wie ist man mit dir als Person mit eigenen Stärken und Schwächen umgegangen? Wurdest du akzeptiert und geliebt, wie du bist oder gab es oft Sticheleien?

Was du auch herausfindest: Denk daran, dass deine Eltern selbst nicht perfekt sind und vielleicht unter den selben Dingen gelitten haben, als sie Kinder waren. Das macht es zwar nicht besser, aber vielleicht verständlicher. Ruf sie einfach mal wieder an und besprich das Ganze mit ihnen. Solche Gespräche auf Augenhöhe können wirklich viel Heilung auf beiden Seiten bewirken (ja, auch bei deinen pragmatisch denkenden Eltern).

 

Was ist denn nun mit dem Knollengewächs?

 

Zu Beginn des Artikels habe ich dir ein Gegenmittel versprochen, mit dem du den Vampir aus deinem Kopf verbannst. Und auch hier gibt es wieder eine gute und eine schlechte Nachricht.

Die Schlechte: Perfektionismus lässt sich nicht mit einem Pfahl ins Herz von jetzt auf gleich eliminieren. Vielmehr reden wir hier von einem knoblauchmäßigen Marathon, für den du trainieren wirst.

Die Gute: Du kannst deinen dysfunktionalen Perfektionismus mit ein wenig Arbeit in einen funktionalen Perfektionsmus verwandeln und so die Macht für dich Nutzen. Wow. Hat schonmal jemand eine Vampir- und eine Star Wars-Anspielung in einem Absatz zum Thema Perfektionismus vereint? Bitte einmal unten verlinken, ansonsten sehe ich das einfach mal als persönliche Glanzleistung. 😉

 

Hier nun die 5 Tipps, die deinem Quälgeist nicht schmecken werden:

 

EINS. Wenn du an deinem #Herzensprojekt arbeitest, genieße den Schaffensprozess als solchen. Dazu würde ich gern einen Tweet von J. E. Jaelaki (@jaelaki) zitieren:

“Bei all den Schreib- und Marketing-Tipps kann man schnell mal eine Kleinigkeit vergessen. Wie cool ist das bitte, dass wir unsere eigenen Charaktere, Plots und Welten erschaffen?!”

Das gilt übrigens für jeglichen kreativen Output.

ZWEI. Mach einen Strich drunter! Was hat dir dein Perfektionismus bisher gebracht? Hat er dich immer wieder zu Höchstleistungen getrieben oder hat er dich vielmehr ausgebremst, sodass dein Potential mehr als nur einmal im Nichts verpufft ist? Sei ehrlich zu dir selbst. Ein tolles Zitat, dessen Urheber ich leider nicht kenne, hat mir auch hier weitergeholfen:

“Fertig ist besser als perfekt.”

Jawohl!

DREI. Ein gesunder Selbstwert ist der größte Feind des Perfektionismus. Tu dir was Gutes, belohne dich auch für kleine Erfolge und ganz wichtig: Mache dein Selbstwertgefühl nicht nur von den Leistungen abhängig, die du erbringst.

Du bist so viel mehr als dein Output!

Positive Affirmationen sind hier ein sehr potentes Mittel. Und jetzt alle: “Ich bin so viel mehr als nur mein Output. Ich bin liebenswert, wertvoll und gut, so wie ich bin!” Amen.

VIER. Eine weitere Streitmacht gegen den elenden Blutsauger sind übrigens deine Fehler. Klingt komisch, ist aber so! Nur durch die Erfahrung, dass auf einen Fehler weder Steinigung noch soziale Ausgrenzung folgen, können dein Hirn und Bauch lernen, dass Perfektion absolut überflüssig ist.

Also: Mache Fehler! Sei mittelmäßig gut oder schlecht in einer Sache! Und für die ganz Mutigen:

Verkack’ es mal so richtig und genieß die Aussicht.

Ich weiß, dass gerade das dir sehr schwer fallen wird. Aber am Ende wirst du dich wundern, wie kraftvoll dieser Schritt war.

FÜNF. Zu guter Letzt: Formuliere ein Herzensziel und verliere es danach nicht wieder aus den Augen, wenn der Vampir von innen gegen deine Schädeldecke klopft. Geht es hier wirklich um 50k Worte oder geht es nicht viel mehr darum, endlich  wieder zu schreiben und Spaß zu haben? Muss es wirklich der 1. Platz sein oder ist es nicht schon ein Durchbrechen alter Muster, dass du dich endlich getraut hast, teilzunehmen? Das ist leichter gesagt, als getan. I know. Aber:

Du schaffst das. Das hier ist der Grund, der dich antreibt. Wieso all das hier Sinn macht!

 

Reingefuxt und rausgefuxt – ich bin dann mal weg!

Das war’s für heute von mir und ich ziehe mich jetzt mit einem guten Buch in meinen Bau zurück. Morgen geht der #NaNoWriMo los und ich versuche krampfhaft, entspannt zu bleiben. See what I did there? 😉

Hast du heute etwas über Perfektionismus lernen können, was du noch nicht wusstest? Gehörst du vielleicht zu der seltenen Gattung der funktionalen Perfektionisten? Oder sagst du dem Vampir ab morgen Buffy-mäßig den Kampf an? Lass mir einen Kommentar da!

 

Bis ganz bald im Wald,

Fuxich

 

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